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Pflicht oder Kür? Die CSRD als Chance für glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation

von 13. Aug.2024Allgemein

Die neue EU-Richtlinie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Vom Definieren wesentlicher Themen über die Einführung geeigneter Governance-Strukturen bis hin zum Daten-Management öffnen sich komplett neue Aufgabenfelder. Schnell kommt die Frage auf, wo der Mehrwert für das Unternehmen liegt. Die Antwort unseres Referenten Joscha Steybe: In einer ganzheitlichen Unternehmensführung als Basis für eine glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation. Der Schlüssel dazu liegt in der einfachen Frage nach dem „Warum“. Ist diese Frage klar beantwortet, lässt sich die Geschichte Ihres Unternehmens authentisch und überzeugend erzählen.

Joscha Steybe, Senior Consultant bei SAIM, beleuchtete die Herausforderungen und Chancen der neuen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) für die Kommunikationsarbeit von Unternehmen und stellte zunächst den gesetzlichen Rahmen vor:

Die CSRD und ihre gestaffelte Berichtspflicht

Ab 2025 betrifft die CSRD zunächst große Unternehmen von öffentlichem Interesse, die bereits unter die Non-Financial Reporting Directive (NFRD) fallen. Ab 2026 wird die Berichtspflicht auf weitere große Unternehmen ausgeweitet, die bislang nicht von der NFRD betroffen waren. Dazu gehören Unternehmen, die zwei der folgenden drei Kriterien erfüllen: mehr als 250 Beschäftigte, eine Bilanzsumme über 25 Millionen Euro oder einen Nettoumsatz von mehr als 50 Millionen Euro.

Ab 2027 sind auch kleine und mittelgroße, kapitalmarktorientierte Unternehmen berichtspflichtig, sofern sie zwei von drei Kriterien erfüllen: mehr als 10 Beschäftigte, eine Bilanzsumme über 350.000 Euro oder einen Nettoumsatz von mehr als 750.000 Euro. Schließlich müssen ab 2029 auch Nicht-EU-Unternehmen, die eine EU-Tochtergesellschaft besitzen und einen Nettoumsatz von über 150 Millionen Euro erzielen, berichten.

Wofür das alles?

Eine Richtlinie des Europäischen Parlaments fordert eine „Umlenkung der Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen, um ein nachhaltiges und inklusives Wachstum zu erreichen [….].“
„Eine Grundvoraussetzung für die Erreichung dieser Ziele ist, dass Unternehmen bestimmte Kategorien relevanter, vergleichbarer und zuverlässiger Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen.“

Die CSRD als Motor der Professionalisierung

Die CSRD wird zu einer signifikanten Professionalisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung führen. Denn sie stellt mit der doppelten Wesentlichkeitsanalyse (Identifikation nachhaltiger Einflüsse des Unternehmens nach außen und umgekehrt) und der strukturierten Datensammlung und -aufbereitung in den Bereichen E (Environmental), S (Social) und G (Governance) Grundanforderungen, die Nachhaltigkeit professionalisieren.Durch die Einführung von European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und die verpflichtende Prüfung nichtfinanzieller Kennzahlen wird der Prozess des Nachhaltigkeitsmanagements in Unternehmen standardisiert. Diese Standards schaffen eine Grundlage, auf der glaubwürdige und substanziell fundierte Nachhaltigkeitskommunikation aufgebaut werden kann.

Substanz als Basis glaubwürdiger Kommunikation

Wichtig ist, Nachhaltigkeitsleistungen und deren Kommunikation in Einklang zu bringen. Die CSRD unterstützt Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitsberichte als Fundament für eine belastbare und glaubwürdige Kommunikationsstrategie zu nutzen. Steybe betonte, dass Transparenz und Relevanz der Schlüssel sind, um Vertrauen bei Stakeholdern aufzubauen und Greenwashing-Vorwürfe zu vermeiden.

Zukunftsfähigkeit als narratives Leitmotiv

Die CSRD wird Orientierung bieten für die unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategie. Die Richtlinie ermöglicht es, das Narrativ der „Zukunftsfähigkeit“ fest im Unternehmen zu verankern und dieses Thema als übergeordneten Rahmen für die gesamte Kommunikation zu nutzen. Steybe wies darauf hin, dass die CSRD nicht nur eine rechtliche Verpflichtung darstellt, sondern auch eine Chance, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens überzeugend darzustellen.

Er zitierte in diesem Zusammenhang den britisch-US-amerikanischer Autor und Unternehmensberater Simon Sinek: „People don’t buy what you do.They buy WHY you do it.“

Entfaltung der Kommunikationsstrategie

Die CSRD bietet trotz der strikten Berichterstattungspflichten Spielraum für kreative und zielgruppenspezifische Kommunikationsansätze. Ein Praxisbeispiel von VILSA verdeutlichte, wie Unternehmen ihren CSRD-Report nutzen können, um maßgeschneiderte Botschaften für verschiedene Stakeholder zu entwickeln und über diverse Kanäle zu verbreiten.

Fazit
Die CSRD ist mehr als nur eine bürokratische Hürde. Für PR-Profis bietet sie die Möglichkeit, Nachhaltigkeitskommunikation auf ein neues Level zu heben, indem nicht nur pflichtbewusst berichtet, sondern aufgrund der erhobenen Daten strategisch und inhaltsreich kommuniziert wird. Die CSRD eröffnet Unternehmen die Chance, Nachhaltigkeit authentisch und transparent zu vermitteln und somit das Vertrauen ihrer Zielgruppen zu stärken.

Für alle, die sich näher mit der Umsetzung und den Potenzialen der CSRD auseinandersetzen möchten und müssen, ist eine tiefergehende Beschäftigung mit den Standards und Anforderungen unerlässlich. Da die Umsetzung bislang weitgehend in der Zukunft liegt, planen wir eine Folge-Veranstaltung, in deren Mittelpunkt die praktische Umsetzung von Projekten zur CSRD-Berichterstattung steht, die von SAIM beratend begleitet wurden.

Über Joscha Steybe: 

Joscha Steybe ist Kommunikationsexperte. Umfangreiche Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeits- und Kommunikationsmanagement sammelte er bei (Sozial)Unternehmen und Beratungen wie FLSK, Social Impact und akzente (heute Accenture). Als Senior Consultant ist das tiefgehende Verständnis von unternehmerischer Nachhaltigkeitsleistung sein Startpunkt, um glaubwürdige Kommunikation für Kunden zu entwickeln. Sein Gespür für Branchentrends und die breite Markenexpertise sind Horizont und Handwerkszeug zugleich.
 
Über SAIM Consulting by Utopia:

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